Pressemitteilung: Wenn der Schwarzgeldtod an die Türe klopft - Gedanken eines Steuerstrafrechtlers zum Totensonntag

Gefahren für Erben und Testamentsvollstrecker aus Kuckuckseiern im Nachlass - Auch richtig erben will gelernt sein! Kann sich doch in der Erbmasse ein großes Gefahrenpotential verstecken, wenn es der Erblasser mit der Steuerehrlichkeit nicht ganz so genau genommen hat. Neben all der Trauerarbeit bei Verlust eines Angehörigen sollten Erben, Testamentsvollstrecker und Nachlassverwalter unbedingt aufpassen, nicht selbst ins Visier von Steuerfahndung, Staatsanwaltschaft oder Strafgerichten zu gelangen.


Werden bei Aufstellung eines Erbschaftsverzeichnisses oder Inventars zum Beispiel ausländische Bankkonten oder im zum Nachlass gehörenden Unternehmen schwarze Kassen gefunden, so muss der Erbe unverzüglich eigenen Berichtigungspflichten gegenüber dem Finanzamt nach-kommen. Das heißt spätestens zwei bis vier Wochen nach Enddeckung muss dem Finanzamt durch die anzeigepflichtigen Personen Meldung gemacht werden. Im Idealfall durch eine gemein-same Erklärung. Diejenigen Personen, welche ihrer Berichtigungspflicht nicht oder nicht rechtzei-tig nachkommen, machen sich einer eigenen Steuerhinterziehung durch Unterlassen strafbar.


Hat sich der Erblasser einer Steuerhinterziehung strafbar gemacht, so kann auch nur dieser strafrechtlich verantwortlich gemacht werden. Es gibt es keine Sippenhaftung! Und gegen Tote kann kein Ermittlungs- oder Strafverfahren geführt. Rein fiskalisch ist es der Finanzverwaltung aber je nach Abgabezeitpunkt der Einkommensteuererklärung möglich, die Steuerbescheide bis zu drei-zehn Jahre zu korrigieren. Es wird die Mehrsteuern plus 6 Prozent Hinterziehungszinsen von den Erben als Nachlassverbindlichkeiten des Erblassers einfordern. Ist bereits eine Erbschafts-teuererklärung abgegeben, so ist auch das Erbschaftsteuerfinanzamt durch separate Berichti-gungserklärung zu informieren, welches ggf. die Erbschaftsteuer neu festsetzen wird.


Die Nachsteuern können sehr hoch sein, gerade wegen des langen Zinslaufs. Auch ist zu beachten, dass der Erbe grundsätzlich auch mit seinem eigenen Privatvermögen für die Schulden des Erblassers haftet. Besonders bitter ist das, wenn das Schwarzgeld nicht mehr im Nachlass ist, son-dern bereits vom Erblasser verbraucht worden ist. Dann muss der Erbe für die Steuerschulden haften, obwohl er dazu kein Geld mehr im Nachlass hat. Auch aus diesem Grunde sind die ersten sechs Wochen nach dem Erbanfall sorgsam zur Prüfung der Vermögensverhältnisse des Erblas-sers zu nutzen. Nur so können rechtzeitig die Erbschaft ausgeschlagen oder das eigene Vermö-gen sichernde Maßnahmen, wie die Nachlassinsolvenz, ergriffen werden.


Doch selbst wenn sich noch im Nachlasslass genug Geld befindet, ist angesichts der oftmals hohen Summe die Versuchung der Erben groß, alles so zu belassen, wie es bisher war. Sprich keine Berichtigungserklärung zu machen, es totzuschweigen und selbst davon zu profitieren. Aber dieser Weg hat mehrere Nachteile:




Wie bereits oben gesagt, macht sich zunächst einmal jeder einzelne Erbe, der seiner Berichti-gungspflicht nicht nachgekommen ist, wegen eigener Steuerhinterziehung durch Unterlassen straf-bar. Aber hier liegt die Krux: Während beim Erblasser bei einfacher Steuerhinterziehung, also bei einem Steuerschaden pro Steuerart und Steuerjahr von unter 50.000 EUR, die strafrechtliche Ver-jährung nur fünf Jahre beträgt, umfasst die Tat beim unterlassenden Erben sämtliche zu diesem Zeitpunkt fiskalisch noch änderbaren Jahre. Im schlimmsten Fall also 13 Jahre! Deshalb ist in die-sen Konstellationen oftmals ein schwerer Fall der Steuerhinterziehung gegeben und die Ver-jährung beträgt doppelt so lange, also 10 Jahre.


Entsprechend dem höheren Steuerschaden wird auch das Strafmass bei einer Verurteilung ausfal-len. Und auch im Rahmen einer Selbstanzeige wird der Täter in vielen Fällen einen 5-prozentigen Strafzuschlag zur Erlangung der Straffreiheit zahlen müssen, welches der Erblasser nicht ge-braucht hätte. Indem man beschließt alles beim status quo zu lassen, vertieft man jedoch nicht nur das bereits durch den Erblasser in der Einkommensteuer eingetretene Unrecht. Nein, selber hinter-zieht man auch Erbschaftsteuer.


Oft hat der Ehepartner des Verstorbenen Kenntnis um das Schwarzgeld. Selbst wenn keine täter- oder gehilfenschaftliche Stellung vorliegt, so wurde in der Vergangenheit zumindest oft nicht dage-gen protestiert. Moralisch empfinden diese Menschen eine nachträgliche Berichtigung oder Selbstanzeige als Verrat an Ihrem Partner. Eine oftmals große psychische Belastung.
Das erste Problem stellt sich bei Aufstellung des Nachlassverzeichnisses. Wichtig ist dieses, wenn Kinder oder Dritte entweder Miterben sind oder Pflichtteilsansprüche haben. Gibt er das Schwarzgeld an, müssen alle handeln und berichtigen oder alle zusammen machen sich strafbar. Gibt er das Schwarzgeld nicht an, macht er sich womöglich zusätzlich einer Unterschlagung oder der Untreue strafbar. Zusätzlich macht sich jedes Mitglied der Erbengemeinschaft erpressbar. Gerade dort, wo die Auseinandersetzung unschön wird, kann eine unkoordinierte Selbstanzeige eines einzelnen Miterben alle anderen in die Strafbarkeit stürzen.


Doch selbst wenn der Ehepartner zu einem späteren Zeitpunkt die Kinder einweiht und man zusammen den Weg der Selbstanzeige (für die Mutter) bzw. der Berichtigungserklärung (der Kin-der) gehen will, hat man den Kindern je nach Beweisbarkeit des Sachverhalts keinen Gefallen ge-tan. Es gab schon öfters Fälle, in denen gegen die arglosen Kinder zumindest ein strafrechtliche Ermittlungsverfahren eingeleitet worden ist. Auch wenn das Verfahren später wieder eingestellt wird, kann dieses beispielsweise bei Angehörigen verkammerter Berufe, wie Ärzte, Apotheker oder Rechtsanwälten, oder bei Tätigkeit im Staatsdienst existenzvernichtend Folgen haben. Berufs-verbote oder sonstige Disziplinarmaßnahen drohen selbst bei Einstellung wegen Geringfügig-keit oder geringer Schuld. Und obwohl die Mitteilungen an die Disziplinarvorgesetzten oder Kammern vertraulich sind, ist der Ruf selbst bei Unschuld oftmals ruiniert.


Schließlich ist auch von dem überlebenden Ehepartner zu überlegen, was mit dem Schwarzgeld-vermögen letztendlich passieren soll. Oftmals sind die Vermögen so groß, dass man es selbst gar nicht unbemerkt verbrauchen kann. Was soll ein Vermögen, an dass man nicht ran kann? Soll zumindest ein Teil des Vermögens später weiter auf die Kinder vererbt werden, so werden spä-testens diese die ganzen Steuerverstöße ihrer Eltern richtig stellen müssen, wenn sie sich nicht selbst strafbar machen wollen. Und dann wäre monetär nichts gewonnen. Im Gegenteil, wegen der hohen Hinterziehungszinsen.


Daher der Rat des Steuerfachanwalts Christian Spies:

Erblasser mit Schwarzvermögen sollten unbedingt selbst noch bei Lebzeiten die steuerliche Rich-tigstellung durch Selbstanzeige bewirken. Nur so können Sie ihren Angehörigen die Gefahr straf-rechtlicher Sanktionen und ggf. auch finanzielle Überforderung nehmen.
Auch ermöglicht es den Angehörigen eine leichtere Trauerarbeit, als wenn diese in der schweren Zeit noch, oftmals zum ersten Mal im Leben, Kontakt mit staatlichen Ermittlungsbehörden haben oder sich hierfür ängstigen.




Die vollständige Pressemitteilung finden Sie hier.

Steuerfachanwalt Spies - Montag, 18. November 2013 18:10:00 GMT

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