Rotlichtgewerbe, Escort und Online-Erotik

Problematiken mit dem Finanzamt und der Steuerfahndung

Bargeldintensive Gewerbe, wie Restaurants, Eisdielen, Friseure und Taxen, gehören zu den Klassikern der Betriebs- und Fahndungsprüfungen. Hierunter fallen grundsätzlich auch die Einnahmen aus Bordellen, Prostitution und Escort. Während in anderen Branchen die Steuersachen jedoch in der Regel durchgehend durch einen Steuerberater begleitet werden, werden im Rotlichtmilieu die steuerrechtlichen und steuerstrafrechtlichen Problematiken oft vernachlässigt und verkannt.

InternetüberwachungDabei steht die Erotikbranche derzeit wie nie zuvor im Fokus der Finanzämter und Steuerfahndungen. Der Bundesrechnungshof meint festgestellt zu haben, dass es ein Vollzugsdefizit der Finanzämter im Bereich der Sexarbeit gebe. Entsprechend groß sind nun die Bemühungen durch die Finanzministerien der Länder und der Druck auf die Finanzämter. Folglich kommt es in Bordellen, bordellähnlichen Betrieben und Laufhäusern verstärkt zu Kontrollbesuchen durch die Steuerfahndungsstellen. Im Rahmen der Steueraufsicht (§ 208 Abs. 1 AO) dürfen die Beamten auch ohne richterlichen Durchsuchungsbeschluss jederzeit die Räume aufsuchen und Prostituierte sowie Kunden (Freier) nach steuerlich relevanten Dingen befragen. Insbesondere sind hierbei die Arbeitszeiten und Preise von Interesse.

Und durch die Verlagerung der Vertriebs- und Werbemöglichkeiten ins Internet, bleibt dem Staat nun kaum noch etwas verborgen und nichts wird vergessen. Spezielle Abteilungen der Finanzverwaltung sichern und kopieren komplette Websites, um diese (meist Jahre später) mit eingereichten Steuererklärungen abgleichen zu können. Kompetente, vertrauensvolle und unkomplizierte Beratung sind daher für jeden in dem Bereich tätigen dringend notwendig: Egal ob Bordellbetreiber, angestellte oder „selbständige“ Prostituierte, Dating-Agenturen, Escort-Ladies, Begleitservice, Hobbyhuren oder aus dem breiten Bereich der Online-Erotik (Clips, Chats, Financial Domination, Amazon-Gutscheine). Und das am besten, bevor etwas passiert!

Vertrauen Sie sich Rechtsanwalt und Fachanwalt für Steuerrecht und Strafrecht Spies in Düsseldorf an, wenn es um die steuerrechtliche oder strafrechtliche Beratung und Vertretung rund um das Thema Sexarbeit geht. Unser Team steht Ihnen vertrauensvoll und diskret zur Seite und kämpft für Sie und Ihre Interessen. Rufen Sie uns unter 02 11 / 38 54 88 66 an und vereinbaren Sie ganz unkompliziert einen Beratungstermin!

Bordelle, Puffs, Laufhäuser, Saunaclubs und Partytreffs

bezahlenDer Betreiber von Borellbetrieben und bordellähnlichen Betrieben hat wie jeder andere Unternehmer auch Umsatzsteuer und Ertragsteuern (Einkommensteuer bzw. Körperschaftsteuer und Gewerbesteuer) für die Einnahmen vom Freier abzuführen. Was er den Prosituierten bezahlt sind auf jeden Fall abzugsfähige Betriebsausgaben. Sind diese nicht selbständig , sondern wie Arbeitnehmer in den Betrieb eingebunden, so hat der Bordellbetreiber Lohnsteuer einzubehalten und abzuführen. Darüber hinaus hat er für die Huren Beiträge zur Sozialversicherung (Krankenversicherung, Rentenversicherung, Arbeitslosenversicherung) anzumelden und abzuführen. Die Rentenversicherungsbeiträge teilen sich in einen Arbeitgeberanteil und einen Arbeitnehmeranteil auf. Daneben sind auch Beiträge zur Berufsgenossenschaft für Nahrungsmittel und Gaststätten zu leisten.

Bordellbetreiber versuchen oftmals die Prostituierten als selbständige Unternehmerinnen statt als arbeitnehmerähnliche Person darzustellen. Dass eine Hure dem Bordellbetrieb tatsächlich als auf gleicher Augenhöhe stehende Unternehmerin gegenübersteht trifft jedoch nur in einen verschwindend geringen Anteil zu. Entscheidend ist die entsprechend der arbeitsgerichtlichen Rechtsprechung die Eingliederung in den Betrieb anhand eines Bündels von Kriterien. Hierunter fällt beispielsweise die Vorgabe von Preisen, Arbeitszeiten und Kleidervorschriften. Eine Fehleinschätzung zwischen Selbständigkeit und Arbeitnehmer trifft den Bordellbetreiber empfindlich. Dann neben der Haftung für die Lohnsteuer und Sozialabgaben (Arbeitgeber- und Arbeitnehmeranteil) der Prostituierten droht noch eine Strafbarkeit wegen Steuerhinterziehung (§ 370 AO) sowie wegen Vorenthaltens und Veruntreuung von Arbeitsentgelt (§ 266a StGB) für die Sozialversicherungsabgaben.

Bordellbetreiber sollten sich also rechtzeitig, am besten direkt zu Beginn, fachkundige Hilfe dazu holen. Nur so können die rechtlichen Folgen abgeschätzt und Risiken erkannt werden. Noch früh genug, um dann noch die Preise von Freiern oder Verdienste der Prostituierten anzupassen und die restlichen administrativen Vorkehrungen zu treffen. Denn früher oder später wird die Problematik auf den Tisch und die hohen Nachforderungen und Strafen kommen. In der Regel wird zu diesem Zeitpunkt dann aber keiner mehr da sein, wo man Regress oder ein Nachentgelt wird fordern können.

Der erhöhte Beratungsbedarf gilt auch für Bordellbetreiber, die meinen, als reine Vermieter von Zimmern auftreten zu können. Zwar ist dieses unter sehr engen Voraussetzungen möglich. Deren Vorliegen sollte jedoch bereits sehr früh einer eigenen strengen Prüfung und Dokumentation unterzogen werden, damit es später keine böse Überraschung gibt.

Prostituierte, Hure & Escort

ProstituierteWer als Prostituierte Einnahmen erzielt hat hierauf auf jeden Fall Einkommensteuer zu zahlen. Dieses gilt auch dann, wenn Sie arbeitnehmerähnlich in einen Bordellbetrieb eingebunden sind. Dass der Bordellbetreiber für Sie Lohnsteuer einbehalten und abführen müsste entbindet Sie nicht von Ihrer Steuerpflicht. Dieses gilt auch, wenn Ihr Bordellbetrieb am sog. Düsseldorfer Verfahren teilnimmt. Lohnsteuer und Düsseldorfer Verfahren sind nämlich nur Vorauszahlungen auf die erst durch Einkommensteuererklärung endgültig festzusetzende Steuer. Es ist also nicht so, dass Sie sich darauf verlassen können, dass Ihr Bordell alles für Sie geregelt hat, und Sie komplett alles behalten dürfen, was man Ihnen ausgezahlt hat.

Sind Sie auf eigener Faust, als Hobbyhure oder Escort unterwegs oder in Privatwohnung tätig, so fällt neben der Einkommensteuer auch noch Gewerbesteuer und Umsatzsteuer an. Dieses sollten Sie unbedingt in Ihre Kalkulation mit einbeziehen. Als selbständige Unternehmerin müssen Sie sich beim Gewerbeamt der Gemeinde, Finanzamt und Berufsgenossenschaft registrieren und für Ihre Einnahmen und Ausgaben eine geordnete Buchhaltung haben. Sie müssen Einkommensteuer- und Gewerbesteuererklärungen abgeben. Und sofern Sie nicht von der Kleinunternehmerregelung Gebrauch machen, die ersten zwei Jahre monatlich eine Umsatzsteuererklärung beim Finanzamt in elektronischer Form über ELSTER einreichen. In der Regel genügt es für die Einkünfteermittlung eine einfache Einnahmen-Überschuss-Rechnung nach § 4 Abs. 3 EStG zu führen. Bei der Buchhaltung sollten Sie sehr genau sein und auch tatsächlich alle Geschäftsvorfälle erfassen.

Amazon-GutscheinViele Damen erliegen dem Irrtum, dass Einnahmen unter 450 EUR im Monat steuerfrei sind und sie deshalb auch keine Steuererklärung abzugeben bräuchten. Auch werden Zuwendungen über Amazon-Gutscheincodes, Paypal oder Paysafe als „Geschenke“ verbucht. Dem ist jedoch mit Nichten so. Einnahmen aus Selbständigkeit unterliegen bereits vom ersten Euro an der Steuerpflicht. Die 450-EUR-Grenze gilt nur für Minijobs im Rahmen von geringfügigen Beschäftigungsverhältnissen, also nur für Angestellte. Und als Profi müssen Sie wissen: Es wird einem im Leben nichts geschenkt! Alles was man Ihnen zuwendet, geschieht doch nur als Gegenleistung für etwas anderes. Die Ausgangslage ist vergleichbar den Werbegeschenken unter Geschäftsleuten, bspw. den Eintrittskarten zu einem gemeinsamen Besuch eines Fußballspieles. Auch hier hat der Beschenkte ja den Geldwert der Karten zu versteuern.

Die Kontrollmöglichkeiten der Finanzverwaltung ist heutzutage so groß wie nie zuvor! Beachten Sie, dass Sie heutzutage im Internet stets Spuren hinterlassen. Und selbst wenn es Ihnen gelingen sollte, diese Daten tatsächlich zu löschen. Das sollte jedem bewusst sein, der ein Profil auf einschlägigen Seiten wie beispielsweise hurenkartei.com, ladies.de oder sexarbeiterinnen.de, markt.de oder kaufmich.com anlegt. Das Finanzamt ist zwar eine staatliche Behörde. Aber die dort arbeitenden Menschen sind aus Fleisch und Blut, und auch nicht so weltfremd und prüde, wie so manch einer anzunehmen scheint.

Die Finanzverwaltung fertigt regelmäßig komplette Backups von einschlägigen Websites an. Wer dort einmal seine Dienste angeboten, aber nie eine Steuererklärung eingereicht hat, wird früher oder später Besuch vom Finanzamt bekommen. Und Zahlungsdienste wie Paypal, Paysafe oder Amazon-Geschenkgutscheine bzw. Benutzerkonten machen es der Steuerfahndung spielend leicht, Ihre erklärten Daten auf Plausibilität zu checken. Beim geringsten Zweifel drohen die Verwerfung der Buchführung und der Erlass von hohen Schätzungsbescheiden.

Cybersex, Webclips, Chats und Online-Erotik

Ein großer Bereich der Erotikindustrie ist ins Netz gewandert. Auf Internetseiten können die Kunden Filme, Clips und Fotos runterladen, mit den Damen chatten oder per Webcam zuschauen, und über 0900er-Rufnummern Telefonsex betreiben. Da die technische Entwicklung und Zahlungsabwicklung relativ kompliziert ist, geschieht dieses oft über einen Plattformbetreiber. Er übernimmt die Vermarktung der Plattform, den technischen Prozess des Downloads und das Inkasso. Von dem eingenommenen Geld behält er einen Großteil ein und zahlt den Rest (meist so zwischen 20 und 30 Prozent) an die Dame aus. Zunächst gelten für die Dame die oben für selbständige Prostituierte gemachte Angaben entsprechend. Sie sind einkommen-, gewerbesteuer- und umsatzsteuerpflichtig. Einnahmen sind ab dem ersten Euro zu versteuern. Es besteht eine hohe Überwachungs- und Kontrollmöglichkeit durch die Finanzämter und Steuerfahndungen.

Ein besonderes Problem liegt jedoch darin, dass die Plattformbetreiber regelmäßig im Ausland sitzen. Bei Geschäften zwischen Unternehmern (Plattformbetreiber und Modell) sind die sonstigen Leistungen daher vom Plattformbetreiber in dessen Staat zu versteuern. Zum Teil ist der ausländische Sitz aber wohl nur vorgegeben. Stellt sich nachträglich heraus, dass die Firmen in Wahrheit über einen inländischen Sitz oder eine Betriebsstätte verfügten, gibt es Probleme mit der Umsatzsteuer. Dann kommt nämlich das Finanzamt auf das Modell zu und will für die gesamten nicht verjährten Jahre noch die Umsatzsteuer haben. Das Geld ist dann aber oftmals schon verbraucht. Auch hätte man sich in der Regel nicht auf so einen geringen Auszahlungsbetrag eingelassen, wenn man gewusst hätte, dass man davon noch Umsatzsteuer zahlen muss.

Screenshot Meldung mydirtyhobbyExemplarisch finden Sie hier einen Bericht über die Umsatzsteuerproblematik der zypriotische Colbette Holding Ltd., der ehemaligen Betreiberfirma von mydirtyhobby.com und privatamateure.com. Sollte das Finanzamt wegen solch einer Problematik auf Sie zukommen, kontaktieren Sie uns so schnell wie möglich. Legen Sie gegen geänderte Umsatzsteuerbescheide unbedingt fristgerecht Einspruch ein. In vielen Fällen konnte Rechtsanwalt und Fachanwalt für Steuerrecht und Strafrecht deutlich die Höhe der Steuerforderungen reduzieren!

Düsseldorfer Verfahren

Bei dem Düsseldorfer Verfahren handelt es sich um eine nicht gesetzlich geregelte Verwaltungspraxis in Nordrhein-Westfalen, Baden-Württemberg und Berlin. Die Steuerfahndungen treten an Bordellbetreiber heran und bieten die freiwillige Teilnahme am Düsseldorfer Verfahren an. Stimmt der Betrieb zu, so sind durch ihn Sammellisten zu führen. Für jede Prostituierte ist pro Arbeitstag ein vorher mit der Steuerfahndung vereinbarter Satz (in Düsseldorf zur Zeit 25,- EUR) von deren Einnahmen einzubehalten, welche sodann als Vorauszahlung auf die Einkommensteuer der jeweiligen Prostituierten an das Finanzamt abgeführt wird. Es handelt sich quasi um ein grob überschlägiges Lohnsteuerabzugsverfahren.

AchtungFür das Bordell hat die Teilnahme an Düsseldorfer Verfahren den Vorteil, dass der Betrieb nicht mehr durch so viele Besuche der Steuerfandung beeinträchtigt wird. Handelt es sich bei den dort tätigen Damen jedoch um arbeitnehmerähnliche Beschäftige, so hindert das Düsseldorfer Verfahren nicht eine Bestrafung wegen Hinterziehung von Lohnsteuer und Vorenthaltens von Sozialversicherungsbeiträgen. Das Düsseldorfer Verfahren ist letztendlich nur eine Möglichkeit für den Staat effektiv und zu einem möglichst frühen Zeitpunkt an Teile des Steuerbetrags zu kommen. Denn die Gepflogenheiten in dem Gewerbe, insbesondere die Verwendung von Künstlernamen und der schnelle Etablissement- oder gar Ortswechsel, machen es dem Finanzamt schwer, den Überblick zu behalten.

Für die Prostituierte ist immer Vorsicht angezeigt, wenn ein Betrieb am Düsseldorfer Verfahren teilnimmt. Denn das bedeutet doch, dass das Finanzamt über Ihre Identität durch die Sammellisten informiert ist. Wird dann zum Jahresende keine Steuererklärung beim Finanzamt eingereicht, ist den Behörden doch ganz schnell die Steuerhinterziehung bekannt. Im günstigsten Fall kommen Schätzungsbescheide. Früher oder später wird aber der Sachverhalt durch die Betriebsprüfungs- oder Fahndungsstellen aufgegriffen werden. Und dann kommt neben oftmals horrenden Steuernachzahlungen mit Zinsen auch noch eine Bestrafung hinzu. Wer hingegen frühzeitig eine Selbstanzeige abgibt, wird nicht bestraft. Rechtsanwalt und Fachanwalt für Steuerrecht und Strafrecht steht Ihnen gerne für eine Beratung zur Verfügung.


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